Month April 2015

Sunset

Der offizielle Sonnenuntergang am Südpol ist der Nord-Frühlingsanfang, der 21.März. Allerdings ist die Zeit um dieses Datum herum mit nichts vergleichbar, was man in der “echten” Welt erleben kann. Ein Sonnenuntergang im extremen Zeitlupe.

Durch die Brechung des Sonnenlichts in der Atmosphäre erscheint in gemäßigten Breiten die Sonne am Horizont etwa einen Durchmesser höher, als sie eigentlich steht. Normalerweise bekommen wir davon nichts mit, da wir zum einen die exakte Zeit des Sonnenuntergangs meistens nicht kennen, zum anderen die Verzögerung nur etwa eine Minute beträgt. Hier am Pol kann diese Verzögerung mehrere Tage betragen. Phänomene wie etwa der sogenannte grüne Blitz der normalerweise nur einen Bruchteil einer Sekunde dauert, kann hier mehrere Stunden anhalten. Interessanterweise ist die Stärke der Brechung hier vergleichbar mit der im Norden, da sich die Effekte des geringeren Drucks und der geringeren Temperaturen – zusammen mit der starken Schichtung der Atmosphäre über der Antarktis – fast exakt aufheben. Am Samstag stand die Sonne also noch deutlich über dem Horizont, als wir unser Sunset-Dinner genossen.

Die exakte Zeit des Sonnenuntergangs ist somit auch unmöglich vorherzusagen. Es kann sogar passieren, dass an einem warmen Tag, wenn die Sonne an einem überhöhten Teil des Horizonts steht, die Sonne untergeht und 12 Stunden später, wenn es kälter ist, wieder an einem flachen Teil des Horizonts hervor kommt. So ist das letzte Photo, aufgenommen eine Woche nach dem offiziellen Sonnenuntergang, entstanden, nachdem die Sonne eigentlich schon zwei Tage lang verschwunden war.

The official sunset at the South Pole is the northern beginning of spring, March 21st. However, the time around this date here can’t be compared with anything that can be experienced in the “real” world. A sunset in extreme slow motion.

In normal latitudes due to the refraction of sunlight in the atmosphere the sun appears about one diameter higher above the horizon, when it is close to it. Usually we won’t notice this, since on the one hand we usually don’t know the exact time of the sunset and on the other hand the delay is usually only about a minute long. Here at the Pole this delay can be several days. Phenomena like the so called green flash that usually only lasts a split second, can last several hours here. Interestingly, the strength of the refraction over Antarctica is similar to that in the north, since the effects of less pressure and lower temperatures – together with the strong layering of the atmosphere – cancel each other out almost exactly. Hence on Saturday the sun was still well above the horizon, when we enjoyed our sunset dinner.

The exact time of the sunset therefore is impossible to predict. It can even happen, that on a warm day, if the sun is on an elevated part of the horizon, it can sink and 12 hours later, if it got colder and if it is now on a lower part of the horizon, can reappear. In this way the last photo, taken one week after the official sunset, was shot after the sun already had disappeared for two days.

Spaziergänge

Ein paar Bilder von den letzten Spaziergängen vor dem (mittlerweile stattgefundenen) Sonnenuntergang und den damit verbundenen Veränderungen.

Die Station warf immer längere Schatten, ebenso wie alle anderen Gebäude, etwa MAPO. Auf dessen Dach ist mittlerweile eindeutig zu erkennen, das Robert Schwarz (der, zusammen mit John Booth, Rekordhalter für Überwinterungen am Pol) wieder am Pol ist.
Das Licht wurde stetig wärmer, aber auch schwächer. Um auch im dunkeln unsere Wege, insbesondere zu den Laboren im Dark Sector zu finden, wurden die Flaggenlinien vervollständigt. Der zeremonielle Pol wurde schließlich Anfang dieser Woche abgebaut und bleibt bis Sonnenaufgang in der Station verstaut.

A few pictures of the last walks before sunset (that has happened by now) and all the associatet changes.

The station’s shadow grew larger and larger, as well as those of the other buildings, e.g. MAPO. On its roof it is obvious by now, that Roert Schwarz (who is, together with John Booth, record holder for the most winters at pole) is back at the pole.
The light became warmer steadily, but also weaker. In order to find our paths in the dark, especially towards the labs in the Dark Sector, the flag lines were completed. The ceremonial Pole was removed eventually at the beginning of this week and will be kept inside the station until sunrise.

Kamera Helferlein

Bereits im August hat uns unser Chef in Madison gesagt, dass die Menschen hier am Südpol schnell kreativ werden. Hauptsächlich wird nach Wegen gesucht mit der Kälte zurecht zu kommen. Neben dem leiblichen Wohl gilt die Sorge häufig der Technik: Bei -60°C hält der Akku einer Kamera nur etwa 15 Minuten und wenig später friert der Verschluss einfach ein. Will man also Langzeit-Belichtungen oder Zeitraffer-Aufnahmen machen, muss man ein bisschen was dafür tun.

Zum einen gibt es für meine spiegellose Kamera keine externe Stromversorgung. Also habe ich mir eine Gebaut. Da der Signal-Kontakt der Akkus von der Kamera anscheinend nicht genutzt wird hat ein Netzteil mit variabler Spannung, ein Stück Holz in der Form des eigentlichen Akkus und ein paar Kontakte ausgereicht. Solange die Mechanik der Kamera nicht einfriert, lässt sich somit etwa auf dem Dach des ICL beliebig lange auskommen.

Wenn es in Richtung -80°C geht und man auch abseits von Stromquellen photographieren möchte, bleibt einem nichts anderes übrig als seine Kamera warm einzupacken. Angelehnt an bereits existierende Modelle habe ich aus Holz und Isoliermaterial eine Box gebaut die meine Kameras und zwei 1-Liter Flaschen mit heißem Wasser beherbergen kann. Zudem lässt sich das ganze auf meinem Stativ montieren. Nach den ersten Erfahrungen wird die Konstruktion sicher noch verbessert werden, aber fürs erste funktioniert es ganz gut.

Already in early August our boss in Madison told us that people here at the Pole quickly get creative. Mainly people look for ways to manage the cold. In addition to the physical well-being concerns point to technology: At -60°C a camera battery lasts only 15 minutes and shortly after the shutter will simply freeze. If one wants to do long time exposures or time-lapse photography, one has to do something for it.

One problem was, that there is no external power supply for my mirror-less camera. So I built one. Since the signal contact of the battery apparently is not used by the camera a power supply with variable voltage, a piece of wood in the form of the actual battery and a few contacts were sufficient. In this way, as long as the mechanical parts of the camera do not freeze, the camera can, i.e. on the rooftop of ICL, last arbitrary long.

If it goes towards -80°C and one wants to take photos also far away from power sources, there is no way around wrapping up ones camera warmly. Following already existing models from previous winters I built a box out of wood an insulating material that can contain my cameras and two 1-liter bottles, filled with hot water. Furthermore the whole construction can be mounted on my tripod. After the first experience the design will surely be improved, but for now it works quite well.